Oxyvenierung – sanfter Reiz für Gefäße, Durchblutung und Entzündungsregulation
Die Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger ist eine Therapieform, bei der dem Körper über eine feine intravenöse Kanüle geringe Mengen reinen medizinischen Sauerstoffs über die Vene zugeführt werden. Dabei steht nicht eine möglichst hohe Sauerstoffzufuhr im Vordergrund, sondern ein gezielt gesetzter physiologischer Reiz.
Die Oxyvenierung wirkt unmittelbar auf die Blutgefäße, da während der Behandlung der Spiegel des Botenstoffs Prostacyclin ansteigt. Prostacyclin wirkt gefäßerweiternd und entzündungshemmend. Dadurch unterstützt es die Durchblutung der feinsten und kleinsten Gefässe im Endstromgebiet.
Was genau macht die Oxyvenierung nach Dr. Regelsberger?
Der sanfte Reiz im Gefässsystem führt nach einigen Behandlungen zum Anstieg der Eosinophilen Granulozyten. Eosinophile sind eine Untergruppe der weissen Blutkörperchen, die vor allem an Entzündungen beteiligt sind. Diese Entzündungszellen werden durch die Oxyvenierungs-Behandlung in die Blutgefässe gelockt, weil der dort eingebrachte Sauerstoff auf das Immunsystem wie ein unbekannter Eindringling wirkt.
Und wenn das Immunsystem einen Eindringling noch nicht kennt, schickt es diejenigen Zellen in das vermeintliche Krisengebiet, die für ALLE Formen von Einsätzen vorbereitet sind. Diese Zellen gehören zur sogenannten unspezifischen Immunabwehr. Da diese Zellen ansonsten damit beschäftigt sind, ihre Arbeit in Gebieten zu verrichten, wo Krisen toben – also in Entzündungsgebieten – sinkt an diesen Orten die entzündliche Aktivität – das ist also schon mal sehr gut!
Normalerweise würde der Kontakt mit einem Erreger z.B. einem Bakterium (oder Parasiten, oder Virus oder Pilz oder Pollen oder Nahrungsmitteln oder, oder, oder) durch Übermittlung von Oberflächenmarkern des Eindringlings zur Ausbildung speziell ausgebildeter Immunzellen führen (das ist dann die spezifische Immunabwehr), da aber medizinischer Sauerstoff keine Oberfläche besitzt, die aus wiedererkennbaren Eiweiss/Proteinbausteinen besteht, kann keine spezielle Einsatztruppe an Immunzellen gebildet werden. Daher werden zur Abwehr des ‚Sauerstoff-Eindringlings‘ immer wieder die unspezifischen Immunzellen herangezogen.
Spannend dabei ist, dass durch den immer wieder auftretenden Reiz, durch die anfänglich wiederholten Behandlungen, die Gefässwand der Blutgefässe ‚dichter‘ gemacht wird. Auf medizinisch heisst das, dass sogenannte Adhäsionsmoleküle (Anheftungsstellen) von der Gefässwand abgelöst werden, die sonst das Andocken von Entzündungszellen verbessern würden. Wenn Entzündungszellen an diese Adhäsionsmoleküle angedockt haben, kann die Gefässwand die Entzündungszelle durch die Gefässwand hindurch ins Entzündungsgebiet schleusen. Das ist natürlich wichtig und erwünscht, wenn zum Beispiel eine Verletzung vorliegt und Reparaturen durchgeführt werden müssen (und das funktioniert natürlich auch weiterhin), es ist aber überflüssig, unerwünscht und fehlgeleitet, wenn der Darm ‚glaubt‘ er bräuchte Entzündungszellen, um z.B. Gluten zu bekämpfen oder die Schilddrüse glaubt, sie bräuchte Einsatztruppen, um die eigenen Zellen bekämpfen, wie z.B. bei Hashimoto.
Das beobachtete Ablösen der Adhäsionsmoleküle wird so interpretiert, dass das Immunsystem möglicherweise ‚glaubt‘, dass der Eindringling noch in den Gefässen herumwandert und daran gehindert werden soll, in andere Gewebe auszuwandern (z.B. Lunge, Niere, Leber, Darm. Gehirn..). Und gleichzeitig sorgt die Abdichtung der Gefässe dafür, dass die vermehrt gebildeten Eosinophilen ebenfalls nicht mehr in diese anderen Gewebe auswandern können – denn sie sollen sich ja um den vermeintlichen Feind im Gefässsystem (den Sauerstoff) kümmern.
Wobei kann die Oxyvenierung unterstützen?
Daher ist die regulierende Wirkung der Oxyvenierung auf das Immunsystem bei allen entzündlichen Beschwerden ein sehr hilfreicher Baustein. Wir wenden die Oxyvenierung deshalb vor allem bei (Nahrungsmittel)Allergien und Unverträglichkeiten, Asthma, Neurodermitis und anderen chronisch-entzündlichen Beschwerdebildern an. Ebenso bei allen Erkrankungen, die von einer Verbesserung der Durchblutung im Endstromgebiet profitieren (Durchblutungsstörungen, Neuropathien).
Zudem wenden wir die Oxyvenierung bei Patienten mit Long-Covid bzw. Post-Covid aber auch bei allen anderen Formen des Chronischem Erschöpfungssyndroms/Chronic Fatigue Syndroms mit oder ohne Myalgischer Encephalopathie (ME/CFS) an. Denn ME/CFS gab es ja schon lange vor Corona/Covid/Spikopathie z.B. nach EBV, Borreliose, Toxoplasmose, HWS-Instabilität und einigen anderen. Allerdings ist in diesen Fällen die Behandlung meist nicht so rasch aufeinanderfolgend möglich und auch nicht erwünscht, da bei ME/CFS auch schon geringe Reize, wie zum Beispiel durch die Oxyvenierungs-Behandlung zu Erschöpfungsanfällen/Post Exertional Malaise (PEM) führen kann. Hier muss man also in sehr enger Abstimmung sehr viel dosierter vorgehen, um vor allem das Autonome Nervensystem (ANS) nicht zu überlasten.
Ablauf der Behandlung
Eine Behandlung dauert je nach Dosierung etwa 40 bis 60 Minuten. Die Sauerstoffmenge wird während der Sitzung individuell und schrittweise gesteigert. Für die erste Therapieserie ist eine Anwendung über 15 möglichst dicht aufeinanderfolgende Behandlungen am effektivsten. Im Idealfall sollte man diese Behandlungen also innerhalb von 3 Wochen durchführen. Wenn dies organisatorisch nicht möglich ist, sind auch drei Behandlungen pro Woche über insgesamt 5 Wochen möglich. Wenn auch das logistisch nicht machbar ist, kann man die Behandlungen auch noch weiter ’strecken‘, allerdings werden dann häufig in der initialen Serie mehr als 15 Behandlungen benötigt.
Abhängig von der Erkrankungsart werden nach jeweils etwa 3 bis 6 Monaten Auffrischungsserien mit jeweils ungefähr 10 Behandlungen durchgeführt. Das genaue Behandlungsschema richtet sich selbstverständlich nach Beschwerdebild, Verträglichkeit und individuellem Therapieziel.
Die Oxyvenierung ist also für alle Patientinnen und Patienten interessant, bei denen eine Unterstützung von Gefäßregulation, Mikrozirkulation und entzündlicher Balance therapeutisch sinnvoll erscheint, auch wenn wir – wie bei allen medizinischen Prozeduren – die Wirkung im Einzelfall natürlich nicht versprechen können.



